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"Die Polizeistation ist nur eine Facette der Geschichte"

Die neue Polizeistation in der Salzburger Straße 15 in Braunau. Foto: Verein für Zeitgeschichte.
Die neue Polizeistation in der Salzburger Straße 15 in Braunau. Foto: Verein für Zeitgeschichte.

Florian Kotanko, Zeithistoriker und Obmann des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, über die Polizeistation in Braunau, die neue Bestimmung des Geburtshauses von Adolf Hitler – und das, was fehlt.

Mit der Eröffnung der neuen Polizeistation am 22. Juli hat das Geburtshaus offiziell eine neue Bestimmung. Ist damit die Diskussion um diesen historischen Ort abgeschlossen?

Die Bestimmung und Nutzung des Hauses ist nur eine Facette seiner Geschichte. Es wurde also lediglich ein Kapitel abgeschlossen. Die historische Konnotation des Gebäudes, in dem Adolf Hitler geboren wurde, bleibt bestehen. Das ist ein Faktum, mit dem wir uns gesellschaftlich, demokratiepolitisch und im Kontext der österreichischen Zeitgeschichte weiterhin auseinandersetzen müssen.

Kritiker sehen in der Neugestaltung des Hauses den Versuch, Geschichte zu verdrängen. Bislang verweist lediglich der 1989 aufgestellte Mahnstein auf die historische Bedeutung des Ortes. Fehlt es an einer sichtbaren historischen Einordnung?

Was eindeutig fehlt, ist eine klare Kontextualisierung, die zeitgeschichtliche Aufarbeitung. Es braucht eine Darstellung im oder vor dem Gebäude, die erklärt, dass Hitler hier geboren wurde und wie mit dieser historischen Tatsache umgegangen wird. Es sollte deutlich werden, dass es nichts zu verstecken gibt, sondern eine aktive Erinnerungskultur betrieben wird. Das ist gerade mit Blick auf aktuelle demokratiegefährdende Entwicklungen wichtig. Das fatale Erbe des Nationalsozialismus ist Teil unserer Geschichte.

Florian Kotanko, Obmann des Vereins für Zeitgeschichte. Foto: photogräfin


In den vergangenen 15 Jahren gab es rund um das Haus zahlreiche Diskussionen, politische Zurufe, eine umstrittene Enteignung und mehrere Expertenkommissionen. Was hätte man besser oder anders machen können?

Bei allen Entscheidungen hätte mehr Transparenz gezeigt werden müssen, sowohl bei der baulichen als auch bei der inhaltlichen Neugestaltung. Zudem wurden wiederholt Zusagen nicht eingehalten. Das Innenministerium hatte beispielsweise angekündigt, zusätzlich ein Schulungszentrum für Polizeibedienstete mit dem Schwerpunkt Menschenrechte einzurichten. Das hätte eine andere Außenwirkung gehabt. In den aktuellen Plänen findet sich dieses Vorhaben jedoch nicht wieder.

Der Verein für Zeitgeschichte bietet seit 1993 mit den jährlichen Zeitgeschichte-Tagen ein Forum für historische Auseinandersetzung. Wird sich die Tagung weiterhin mit der Geschichte des Hauses und dessen Erbe beschäftigen?

Wir haben uns in der Vergangenheit immer wieder mit diesem Thema auseinandergesetzt, gemeinsam mit hochkarätigen österreichischen und internationalen Referentinnen und Referenten. Etwa bei unserer ersten Tagung 1992 oder 2011 unter dem Titel "Schwieriges Erbe". Unser Ziel war aber immer, ein breites Spektrum an zeithistorischen Themen anzubieten

Für unsere Tagung im Herbst 2026 haben wir uns bewusst entschieden, einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Das Hitler-Geburtshaus steht derzeit ohnehin im Mittelpunkt der öffentlichen Berichterstattung. Stattdessen greifen wir ein Thema auf, das viele Menschen intensiv beschäftigt: die Frage, wie die Suche nach Sinn und Spiritualität von der Neuen Rechten vereinnahmt wird, die Gefahren der "braunen Esoterik", gerade in den sozialen Medien.

Besonders wichtig ist uns diesmal, Jugendliche stärker einzubinden. Deshalb erweitern wir unser Angebot an Workshops für Schüler. Ansonsten bleiben wir unserem Credo treu: Die Tagung soll ein Forum bieten, um mit möglichst vielen Menschen in Dialog zu treten und miteinander ins Gespräch zu kommen. (21.7.2026)


Hinweis zur Verwendung: Das gesamte Interview oder Zitate können unter Angabe von Name, Funktion und Quelle für eine redaktionelle Berichterstattung verwendet werden. Bitte nicht sinnentstellend kürzen.

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