Braunauer Zeitgeschichte-Tage 2022
Wertheimer Ausstellung

Die Braunauer Zeitgeschichte-Tage 2022 finden in einem neuen Format an zwei Orten statt. Thematisch im Mittelpunkt steht der Nachlass der Familie Wertheimer, der seit einer Schenkung an den Verein für Zeitgeschichte wieder in Braunau ist. 


Egon Wertheimer wurde 1894 im Schloss Ranshofen geboren. Der Journalist, Staatswissenschafter und Diplomat ergänzte während des Exils in den USA in Erinnerung an seine Heimatgemeinde seinen Namen zu  Ranshofen-Wertheimer.  Seinem einzigen Kind, der Tochter Luciana (1920 – 2017), deren Ehe kinderlos blieb, war es immer ein besonderes Anliegen, von ihrem Vater geerbte Dokumente und Gegenstände nach Ranshofen zurück zu geben. Lucianas Erben, ihre Nichte und ihr Neffe, wollten diesen Wunsch erfüllen. Nach einem langwierigen Procedere konnte der Verein für Zeitgeschichte, unterstützt vom Außenministerium, 2019 den Nachlass als Geschenk übernehmen.  Die Schenkung umfasst nicht nur Bilder, Möbel, Tafelsilber und Geschirr aus dem ehemals Wertheimer’schen Besitz Ranshofen (1851 – 1938), sondern auch persönliche Dokumente, Fotos, Bücher und andere Objekte.  


Diesen Nachlass wird der Vereins für Zeitgeschichte in einer Ausstellung, die am Freitag, 30. September 2022, 19 Uhr, im Bezirksmuseum Herzogsburg eröffnet wird, der Öffentlichkeit präsentieren. Nach Ende der Ausstellung übernimmt die Stadt Braunau die Objekte als Dauerleihgabe in ihre Obhut. 


Am Samstag, 1. Oktober 2022, lädt der Verein für Zeitgeschichte zu drei Vorträgen in den Festsaal / Vortragssaal des Schlosses Ranshofen ein. Diese Vorträge ergänzen thematisch die Ausstellung:  


Einmal wird der kulturgeschichtliche Kontext von Salzburg vor dem ersten Weltkrieg beleuchtet, in den die großbürgerliche Familie Junger, aus der Mathilde, die erste Frau von Egon Wertheimer stammte, eingebettet war: Egon war als schon als Absolvent des Salzburger Staatsgymnasiums (Maturajahrgang 1912) Mitglied eines kulturell bedeutsamen Netzwerkes geworden, in dem die Salzburger Familie Junger einen ganz wesentlichen Platz einnahm: so entstanden Beziehungen zur Familie Zweig und zu Georg Trakl, zu den Malern Dagobert Peche und Max Peiffer-Watenphul, zum Komponisten August Brunetti-Pisano, zur Kunst- und Literaturgesellschaft „Pan“ ebenso wie zur Künstlervereinigung „Der Wassermann“.
Der zweite Vortrag beschäftigt sich mit der Rolle der Vereinten Nationen bei der Entkolonialisierung nach dem 2. Weltkrieg, wobei besonders die Krisengebiete am „Horn von Afrika“  (Eritrea, Somaliland) in den Fokus gerückt werden, wo ja auch Egon Ranshofen-Wertheimer im Auftrag der UNO tätig war.
Im dritten Vortrag werden Nachkommen der Familien Wertheimer und Junger vorgestellt, die teils freiwillig, teils gezwungen ihre ursprüngliche Heimat verließen und in höchst unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern sehr häufig zu großem Ansehen gelangten. 


Abschließend bietet die AMAG eine Werksbesichtigung an – das das Fabriksgelände ehemals Wertheimer’scher Besitz war, ist dadurch ein Konnex gegeben. Wegen der auf 120 Personen beschränkten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung erbeten. 


Die Veranstalter wissen wohl um die Problematik, jetzt ein vielfältiges Programm anzukündigen, das im Herbst vielleicht wegen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit gewissen Einschränkungen unterworfen wird. Wir haben aus den positiven Erfahrungen der beiden letzten Jahre gelernt und hoffen daher, im Herbst 2022 wieder viele Gäste bei unseren Veranstaltungen  begrüßen zu können. 


Wertheimer Ausstellung