Der Verein für Zeitgeschichte mit dem Sitz in Braunau am Inn wurde 1993 gegründet.
Seine Aufgabe sieht er in der Förderung des Geschichtsbewußtseins durch die Organisation von eigenen Veranstaltungen und durch die Mitwirkung bei Veranstaltungen, die ähnlichen Zwecken dienen.

Die gesamte Tätigkeit des Vereins wird vom Vorstand geleitet, dem auch Vertreter politischer Parteien im Gemeinderat von Braunau angehören.


27. Braunauer Zeitgeschichte-Tage

„1968“

Freitag 28. September 2018, 19.30 Uhr, bis Sonntag 30. September 2018 mittags

GUGG Kulturhaus der Stadt Braunau, Palmstr. 4, 5280 Braunau

Eintritt frei

 „1968“ kann als Chiffre für eine Umbruchszeit gesehen werden, die viele Lebensbereiche betraf und in vielen Ländern parallel, auch unter gegenseitiger Beeinflussung, wirksam wurde. Das Eintreten gegen Repression in aller Welt einte viele, die in der 68er-Bewegung aktiv waren. Der Krieg in Vietnam brachte eine weltweite Friedensbewegung hervor, die gewaltsame Unterdrückung des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ durch den Einmarsch in die Tschechoslowakei im August 1968 bedeutete einen Pyrrhussieg der Sowjetunion. Grauenhafte Bilder, vermittelt durch das (Farb-)fernsehen, brannten sich im kollektiven Gedächtnis ein.
Gerade aber die individuellen alltagshistorischen und popkulturellen Assoziationen machen einen wesentlichen Teil des Bildes von "1968" aus.
Es ist, je nach Sichtweise, Verdienst oder Schuld der „68er“, die strengen Gepflogenheiten aufgeweicht und die Umgangsformen gelockert zu haben.
Wo wären wir heute wohl ohne den britischen Pädagogen Alexander Sutherland Neill, der mit seiner Summerhill-Schule alles auf den Kopf stellte, was Jahrhunderte als richtige Erziehung galt? Die prinzipielle Forderung nach Emanzipation berührte auch die Frage der Geschlechterrollen: es ging parallel zur sich wandelnden Rolle der Frauen auch um die sich verändernde Sexualmoral und das Aufkommen der Homosexuellenbewegung. Alternative Formen des Zusammenlebens an Stelle der traditionellen Familie stellten für viele eine Provokation dar. Der Hinweis auf die Doppelmoral in der Drogenpolitik provozierte ebenso: Während der Konsum von Drogen kriminalisiert wird, verdient der Staat am Konsum der legalen Drogen Alkohol und Nikotin kräftig mit. Auch Künstler der 68er Generation wollten provozieren, war doch in ihren Augen Kunst vor allem ein gesellschaftspolitisches Statement.Diskussion, Kritik, Forderung, Auflehnung waren das Handlungsrepertoire der 68er-Jugend.Frust und Wut mischten sich, als nachhaltige Erfolge ausblieben. Manchmal war nun eine gewisse Gewaltbereitschaft erkennbar, schließlich trat tatsächlich der bewaffnete Kampf in Gegensatz zu friedlichen Protestformen wie langen Haaren und satirischen Schriften. Der Grundstein für viele Elemente demokratischer Kultur war aber gelegt: offene Diskussionen, Transparenz, sinnvolle Tabubrüche, das bedingungslose Eintreten für den Wert des Menschen und seine Würde. Und es sind seitdem ein wenig mehr Human Touch, Anständigkeit, Toleranz, Geduld und Lässigkeit eingezogen.Viele der damaligen Protagonistinnen und Protagonisten sind mit oder ohne „Marsch durch die Institutionen“ mittlerweile ins Rentenalter gekommen sind, die Auseinandersetzung mit dem und um das Erbe von 1968 findet immer noch statt. Eben dieses weite Spannungsfeld werden die ReferentInnen der diesjährigen Zeitgeschichte-Tage über seine Entwicklungslinien und Folgewirkungen bis in die Gegenwart behandeln. Parallel zur Tagung ist eine Ausstellung in der GUGG-Galerie gestaltet. 

Kontakt: Mag. Florian Kotanko

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Mobil +43 664 5827010

www.zeitgeschichte-braunau.at